Zweierlei (staatliches) Maß

Im März 2012 hat das Drogerieunternehmen Schlecker Insolvenz angemeldet und nur wenige Tage später die ersten Filialen geschlossen. Die rund 11.000 Angestellten sind mehrheitlich Frauen. Frauen, die wohl kaum aus Spaß an der Schlecker-Freude arbeiten gehen, sondern eine Familie versorgen (müssen). Bezahlt mit Niedriglohn.
Heute (29. März)  sind alle Pläne für eine staatliche Unterstützung, also Transfergesellschaft, gescheitert. Der Freistaat Bayern war das letzte Zünglein an der Waage, 11.000 Frauen den Weg in einen neuen Job zu erleichtern und sie nicht sofort in Arbeitslosigkeit, Hartz IV und Armut zu schicken.
Wirtschaftsminister Rösler, der ja schon in der Vergangenheit immer wieder durch kluge Aussagen und Entscheidungen aufgefallen ist, findet die Entscheidung  richtig, denn „es ist nicht Aufgabe des Staats, für unternehmerische Fehler zu bezahlen“.
Jahr für Jahr zahlt dieser Staat (wer auch immer das sein mag, denn gemeint sind ja wir, die Steuerzahlerinnen und -zahler) Geld für Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber verkauft (Phoenix AG), schlecht gewirtschaftet (Opel), pleite gemacht haben, insolvent sind, Arbeitsplätze in Ausland verlagern (Nokia). Die Unternehmen kommen in den meisten Fällen aus den Branchen Elektronik, Autobau und -zulieferer, Maschinenbau etc. Typische „Männerbranchen“ und „Männerberufe“.
Ich finde es auffällig, dass derselbe Staat, der ohne Ende Geld in marode Banken pumpt, die seit Jahren ohne Sinn und Verstand und ohne Rücksicht auf Verluste zocken, was das Zeug hält, dass dieser Staat sich, wenn es um den Erhalt von Frauenarbeitsplätzen geht, stammelnd zurückzieht und auf unternehmerische Freiheiten beruft. Die moderne Form von Diskriminierung?

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