Der (f)liegende Teppich oder: das verflixte 7. Jahr

Sieben Jahre leben wir schon in unserer Traumwohnung. Unser Bezirk wacht langsam aus seinem Dornröschenschlaf auf, immer mehr junge Familien ziehen her, es gibt sogar schon mehrere Cafés mit Panini, Tartes und Latte to go. Berliner Flair auf dem Weg nach Süden. Wird auch Zeit, dass Tempelhof aufwacht, so ein kleines bisschen Gentrifizierung würde ihm vielleicht gut zu Gesicht stehen.
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Der Sohn studiert inzwischen, und es wird absehbar, dass er flügge wird und auszieht. Wenn nur nicht die Mieten für Studiwohnungen so gestiegen wären. Aber unsere Wohnung ist ja groß genug, und man kann sich gelegentlich gut aus dem Weg gehen.

Wir überlegen, später eine Alten-WG aufmachen. Hier kann man locker auch zu viert oder fünft wohnen.

Sieben Jahre Kommen und Gehen sieht man auch dem roten Flurteppich an. Der gehört zum Inventar, und deswegen ist an Anruf bei der Vermieterin angesagt. „Ach wissen Sie, ich mach garnichts mehr an der Wohnung. Ich verkaufe alle Wohnungen im Haus, ich habe ein neues Projekt in Potsdam.“ Oh.

Und dann geht es Schlag auf Schlag. Ein Architekt zieht durchs Haus und vermisst alles, was ihm unter den Laserstift kommt. Polnische Handwerker poltern durch den Flur, malern, reparieren, bessern aus. Ein Aufzug wird eingebaut, was ungefähr fünf Monate Baustelle bedeutet.