Ich lese gern und viel. Quer durch den literarischen Garten. In diesem Jahr haben es diese Bücher auf meine Top-7-Liste geschafft (aber das Jahr ist ja noch nicht vorbei)
Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat
Eins der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Kluge Frauen, warmherzige Frauen, rebellische Frauen mit allen Ecken und Kanten. Es ist – auch ohne Alkohol – eine Freude ihnen zuzuhören und mit ihnen Spaß zu haben.
Ihre Sprache, ihre Sichtweise hat mein (viel kleineres) rebellisches Herz wiederbelebt, hat die Sehnsucht nach einem besseren Staat und besserem Zusammenleben wieder aufgewärmt und Heimweh nach Gemeinschaft geweckt. Mehr Mut wagen, mehr Lebenshunger, mehr (mit)machen. Ganz, ganz großartig.
Annett Gröschner, Peggy Mädler, Wenke Seemann. Carl Hanser Verlag 2024. 320 Seiten. ISBN 978-3-446-27984-1. 22 Euro
Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Nina, kurz vor 50, schlägt sich mit einer graufaden Schwester, einer alkoholaffinen Mutter, zwei fast erwachsenen Kindern und den Wechseljahren herum. Ihr Ex-Mann ist mit junger Influencerin verheiratet und sieht sich als perfekter Vater von Zwillingen. Der Job ist wackelig, das Geld knapp, aber ihre beste Freundin arbeitet ebenfalls in der Agentur. Und dann verliebt Nina sich in einen 30-Jährigen Mann. Mit allem Auf und Ab, Drama und Leidenschaft, Galgenhumor und Selbstironie Großartig, lustig, bissig.
Anika Decker. dtv 2025. 464 Seiten. ISBN 978-3-423-28434-9. 14 Euro
Man sieht sich
Robert und Friederika verlieben sich in der 10. Klasse ineinander, verlieren sich nach dem Abi aus den Augen, treffen sich nach Jahren der Funkstille wieder, die Gefühle füreinander bleiben, was es richtig kompliziert macht. Jede*r lebt das eigene Leben, die Erinnerung verblasst. Dann steht das 30-jährige Abitreffen an.
Julia Karnick hat einen zauberhaften, melancholischen und mitreißenden Roman geschrieben über junge Liebe, alte Liebe und alles dazwischen.
Julia Karnick. dtv. 480 Seiten. ISBN 978-3-423-22139-9. 14 Euro
Mädchenschule
„Sei wie das Veilchen im Moose. Bescheiden, sittsam und rein. Und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“
Frauen unserer Generation kennen diesen und ähnliche Sprüche bestimmt aus dem Poesiealbum. In keinem ging es darum, stark und mutig zu sein und die Welt zu erobern.
Anhand ihres Poesiealbums hat sich die französische Journalistin Pascale Hugues auf die Suche nach ihren ehemaligen Klassenkameradinnen gemacht, mit denen sie Ende der 1960er-Jahre in Straßburg zur Schule gegangen ist. Aus zahlreichen Gesprächen ist das Porträt einer ganzen Frauengeneration entstanden.
Mich hat das Buch sehr berührt und an meine eigene Schulzeit erinnert. Und mein Poesiealbum mit den maßregelnden Sprüchen hab ich auch wiedergefunden.
Pascale Hugues. Rowohlt Taschenbuch 2023. 304 Seiten. ISBN 978-3-499-00772-9. 14 Euro
Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral
Moral. Klingt irgendwie spießig und altbacken. Ein Unwort in Zeiten von rechten Parteien und autokratischen Staaten. Oder? Anne Rabe, Jahrgang 1986, analysiert den Umgang mit Moral anhand persönlicher Erlebnisse und konkreter Beispiele. Ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen gelesen: (Etwas) hoffnungslos, weil sich der politische Diskurs auch in Deutschland immer weiter Richtung Unmoral zu verschieben scheint. Hoffnungsvoll, weil die Autorin zeigt, dass ein Leben mit moralischen Ansprüchen sinnvoll und machbar ist. //ks
Anne Rabe. Klett-Cotta. 224 Seitenzahl. ISBN 978-3-608-96693-0. 20 Euro
Die Altenboomer
Älter werden ist nicht einfach (und alt werden schon gar nicht). Denise Buser, Juristin, Richterin, Dozentin, weiß, wovon sie schreibt. Die 66-Jährige fragt in ihrem Essay sich und uns nicht danach, ob wir alt sind, sondern wohin die Reise durchs Alter noch gehen kann. Sie spricht über Vergänglichkeit und Schönheit, Überforderung, kostbare Momente und Würde. Für mich ein Buch, das tröstet und Mut macht.
Denise Buser. Zytglogge Verlag. 152 Seiten. ISBN 978-3-7296-5206-4. 24 Euro
Weiß die KI, dass sie nichts weiß?
Textende Kisten, plappernde Papageien, chinesische Zimmer und ein Oktopus? Was das mit künstlicher Intelligenz und lernenden Sprachmodellen zu tun hat, erklärt die Informatikprofessorin Katharina Zweig sehr bildhaft, amüsant und lehrreich. Es macht einfach Spaß, ihr durch die Irren und Wirren der KI zu folgen, die Technologie zu nutzen und trotzdem in der echten Welt echte Dinge selbst zu erledigen.
Weiß die KI, dass sie nichts weiß? Katharina Zweig. Heyne Verlag 2025. 272 Seiten. ISBN 978-3-453-21907-6. 20 Euro
Ich lese gern und viel. Quer durch den literarischen Garten. In diesem Jahr haben es diese Bücher auf meine Top-7-Liste geschafft (aber das Jahr ist ja noch nicht vorbei)
Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat
Eins der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Kluge Frauen, warmherzige Frauen, rebellische Frauen mit allen Ecken und Kanten. Es ist – auch ohne Alkohol – eine Freude ihnen zuzuhören und mit ihnen Spaß zu haben.
Ihre Sprache, ihre Sichtweise hat mein (viel kleineres) rebellisches Herz wiederbelebt, hat die Sehnsucht nach einem besseren Staat und besserem Zusammenleben wieder aufgewärmt und Heimweh nach Gemeinschaft geweckt. Mehr Mut wagen, mehr Lebenshunger, mehr (mit)machen. Ganz, ganz großartig.
Annett Gröschner, Peggy Mädler, Wenke Seemann. Carl Hanser Verlag 2024. 320 Seiten. ISBN 978-3-446-27984-1. 22 Euro
Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Nina, kurz vor 50, schlägt sich mit einer graufaden Schwester, einer alkoholaffinen Mutter, zwei fast erwachsenen Kindern und den Wechseljahren herum. Ihr Ex-Mann ist mit junger Influencerin verheiratet und sieht sich als perfekter Vater von Zwillingen. Der Job ist wackelig, das Geld knapp, aber ihre beste Freundin arbeitet ebenfalls in der Agentur. Und dann verliebt Nina sich in einen 30-Jährigen Mann. Mit allem Auf und Ab, Drama und Leidenschaft, Galgenhumor und Selbstironie Großartig, lustig, bissig.
Anika Decker. dtv 2025. 464 Seiten. ISBN 978-3-423-28434-9. 14 Euro
Man sieht sich
Robert und Friederika verlieben sich in der 10. Klasse ineinander, verlieren sich nach dem Abi aus den Augen, treffen sich nach Jahren der Funkstille wieder, die Gefühle füreinander bleiben, was es richtig kompliziert macht. Jede*r lebt das eigene Leben, die Erinnerung verblasst. Dann steht das 30-jährige Abitreffen an.
Julia Karnick hat einen zauberhaften, melancholischen und mitreißenden Roman geschrieben über junge Liebe, alte Liebe und alles dazwischen.
Julia Karnick. dtv. 480 Seiten. ISBN 978-3-423-22139-9. 14 Euro
Mädchenschule
„Sei wie das Veilchen im Moose. Bescheiden, sittsam und rein. Und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.“
Frauen unserer Generation kennen diesen und ähnliche Sprüche bestimmt aus dem Poesiealbum. In keinem ging es darum, stark und mutig zu sein und die Welt zu erobern.
Anhand ihres Poesiealbums hat sich die französische Journalistin Pascale Hugues auf die Suche nach ihren ehemaligen Klassenkameradinnen gemacht, mit denen sie Ende der 1960er-Jahre in Straßburg zur Schule gegangen ist. Aus zahlreichen Gesprächen ist das Porträt einer ganzen Frauengeneration entstanden.
Mich hat das Buch sehr berührt und an meine eigene Schulzeit erinnert. Und mein Poesiealbum mit den maßregelnden Sprüchen hab ich auch wiedergefunden.
Pascale Hugues. Rowohlt Taschenbuch 2023. 304 Seiten. ISBN 978-3-499-00772-9. 14 Euro
Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral
Moral. Klingt irgendwie spießig und altbacken. Ein Unwort in Zeiten von rechten Parteien und autokratischen Staaten. Oder? Anne Rabe, Jahrgang 1986, analysiert den Umgang mit Moral anhand persönlicher Erlebnisse und konkreter Beispiele. Ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen gelesen: (Etwas) hoffnungslos, weil sich der politische Diskurs auch in Deutschland immer weiter Richtung Unmoral zu verschieben scheint. Hoffnungsvoll, weil die Autorin zeigt, dass ein Leben mit moralischen Ansprüchen sinnvoll und machbar ist. //ks
Anne Rabe. Klett-Cotta. 224 Seitenzahl. ISBN 978-3-608-96693-0. 20 Euro
Die Altenboomer
Älter werden ist nicht einfach (und alt werden schon gar nicht). Denise Buser, Juristin, Richterin, Dozentin, weiß, wovon sie schreibt. Die 66-Jährige fragt in ihrem Essay sich und uns nicht danach, ob wir alt sind, sondern wohin die Reise durchs Alter noch gehen kann. Sie spricht über Vergänglichkeit und Schönheit, Überforderung, kostbare Momente und Würde. Für mich ein Buch, das tröstet und Mut macht.
Denise Buser. Zytglogge Verlag. 152 Seiten. ISBN 978-3-7296-5206-4. 24 Euro
Weiß die KI, dass sie nichts weiß?
Textende Kisten, plappernde Papageien, chinesische Zimmer und ein Oktopus? Was das mit künstlicher Intelligenz und lernenden Sprachmodellen zu tun hat, erklärt die Informatikprofessorin Katharina Zweig sehr bildhaft, amüsant und lehrreich. Es macht einfach Spaß, ihr durch die Irren und Wirren der KI zu folgen, die Technologie zu nutzen und trotzdem in der echten Welt echte Dinge selbst zu erledigen.
Weiß die KI, dass sie nichts weiß? Katharina Zweig. Heyne Verlag 2025. 272 Seiten. ISBN 978-3-453-21907-6. 20 Euro