Faktencheck – wie du etwas gegen Desinformation im Netz tun kannst

Die Klimakrise ist eine Erfindung, Covid-19 nicht mehr als eine Grippe, Viren gibt es nicht und mit der Impfung kriegen wir einen Chip von Bill Gates implantiert. Fakten sind das eher nicht. Aber woran erkennt man Fakten, also Tatsachen, eigentlich?

Fakenews sind nichts Neues. Es gibt sie, seit der Buchdruck erfunden wurde. Doch warum fallen immer noch so viele Menschen auf falsche Nachrichten rein? Weil wir uns gerne gruseln, weil wir unbekannte Inhalte spannend finden, weil wir neugierig sind. Und diese Gefühle wollen wir schnell mit anderen teilen.

Studien haben gezeigt, dass Menschen viel schneller auf unwahre Inhalte reagieren als auf Tatsachen. Wie langweilig klingt die Aussage „Die Steuern erhöhen“ gegen „Die da oben wollen die Steuern raufsetzen, um mehr Geld für sich zu bekommen.“ Da kommen Neid und Misstrauen auf, das wollen wir uns so nicht gefallen lassen. Kein Wunder, dass sich Fakenews schneller verbreiten.

Auf der Website firstdraftsnews werden sieben Formate von Fehl- und Desinformationen beschrieben:

  • Satire/Parodie: eher humorvoll/lustig ohne wirklich zu schaden. Kann aber irreführend sein.
  • Irreführende Inhalte: damit soll z.B. einer Person etwas angehängt werden (Bsp. im Mai 21: Annalena Baerbock habe keinen akademischen Abschluss. Erklärung in der FAZ)
  • Betrügerische Inhalte: Es werden falsche Quellen angegeben.
  • Erfundene Inhalte: mit Absicht erstellt, um zu täuschen bzw. zu schaden
  • Falsche Verknüpfungen: Überschriften, Bilder oder Videos passen nicht zum Text
  • Falsche Zusammenhänge: authentische Inhalte, die in einen anderen Kontext gesetzt werden
  • Überarbeitete Inhalte: Authentische Bilder oder Inhalte werden überarbeitet, um absichtlich zu täuschen.

Um herauszufinden, welche Information echt ist, stell dir folgende Fragen:

Wer hat die Information veröffentlicht? Handelt es sich um eine seriöse Person oder ein seriöses Medium? Wie sieht die Seite aus?

Infos findest du im Impressum oder auf Seiten wie „über uns“. Handelt es sich um eine Privatperson oder ein Unternehmen, eine Partei oder einen Verein? Was schreiben andere über die Person oder das Medium? Wenn du kein Impressum findest, solltest du skeptisch sein.

So eine Quellenprüfung sagt aber noch nichts aus darüber aus, ob die Information wahr oder falsch ist, aber sie kann dir helfen, den Inhalt einzuordnen. Beispiel: Pfizer Upgrade mit neuen Microsoft-Chip? (Mimikama)

Was ist der Zweck des Mediums?

Welche Motivation kann die Person haben? Ist es ein privater Blog, ein Satirekanal wie z.B. der Postillon oder will jemand mit vielen Klicks Geld verdienen? Beispiel: Ein Impfgegner behauptet, es gibt das Masernvirus nicht. er schreibt 100.000 Euro Belohnung aus, wer ihm das Gegenteil beweist. Ein junger Arzt kann es beweisen, der Impfgegner erkennt den Beweis nicht an und will nicht zahlen. Muss er auch nicht. Aber: Nein, dieses Gerichtsurteil beweist nicht, dass das Masern-Virus nicht existiert (correctiv.org)

Du kannst auch den sog. Wikipedia-Trick ausprobieren. Das heißt, du gibst die URL der Person/des Mediums in die Suchmaschine ein plus den Zusatz „Wikipedia“. So kannst du möglicherweise herausfinden, in welchem Zusammenhang die Informationen bzw. das Medium stehen.

Steht ein Bild oder Video im Mittelpunkt des Beitrags?

Viele Informationen, die du bekommst, können aus dem Zusammenhang gerissen sein: Da passen Bild und Text nicht zusammen oder das Video wurde möglicherweise bearbeitet. Um das zu überprüfen, kannst du eine Rückwärtssuche (umgekehrte Bildersuche) machen. Damit kannst du herausfinden, woher das Bild/Video kommt. Und du kannst sehen, wo das Material noch genutzt wurde. Nutze dazu images.google.com oder tineye.com

Hat die Information eine Quelle oder hast du sie über einen Messengerdienst ohne Quellenangabe bekommen?

Dann kannst du den Text oder Teile davon kopieren und in eine Suchmaschine eingeben, um zum Original zu kommen.

Was wird behauptet?

Ergibt der Inhalt einen Sinn? Sind die Zusammenhänge sinnvoll? Haben andere Medien darüber berichtet? Oft verlinken sich dubiose Quellen mit anderen, ebenso dubiosen Seiten, um einen professionelleren Eindruck zu erwecken. Und ebenso oft behaupten Fakenews-Versender, dass die Mainstreammedien nicht über das Thema berichten dürfen. Deswegen finde man nicht mehr Informationen darüber.

Sieht der Inhalt seriös aus?

Enthält der Text viele Tippfehler, falsche Rechtschreibung und Zeichensetzung? Seriöse Medien arbeiten normalerweise mit Rechtschreibprogrammen und/oder Lektor*innen. Sie halten sich an journalistische Vorgaben, z.B. Angabe der Quelle, Gegencheck durch eine zweite Quelle. Sie nennen die Autorin, sie haben eine klare URL. Satzzeichen nutzen sie dort, wo es sinnvoll ist, sie setzen aber keine mehrfachen Ausrufezeichen ein, um die Aussage zu verstärken. Ihr Stil ist sachlich und selten reißerisch oder übertrieben emotional.

Mach den digitalen Nachrichtentest!

Doch ein Problem bleibt: Viele Menschen lesen nur das, was sie jetzt schon glauben. Sie verfolgen nur die Informationen innerhalb ihrer Filterblase und tun alles andere als unglaubwürdig ab. Sie wollen ihre Meinungen einfach nur bestätigen.

Deswegen ist es so wichtig, aufmerksam zu sein und Informationen immer wieder zu hinterfragen.

Weiterführende Links

Fakten prüfen im Netz (Zentral- und Landesbibliothek Berlin)
Warum Demokratie Faktenchecks braucht (correctiv.org)
Fakten-Checker und Fake News-Aufdecker (Lehrerweb Wien)
Desinformation und Meinung (klicksafe.de)
Fake News – die Macht der Falschmeldungen (Planet Wissen)
ARD-Faktenfinder (tagesschau.de)
International Fact-Checking Network’s code (Englisch)
Umgekehrte Bildersuche schnell erklärt (YouTube)

Quellen: Lehrerweb Wien, correctiv.org., mimikama.at, eigene Recherche, CC BY-NC-SA

Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst in der FCZB-Serie #SchnellErklärt