„Endlich angekommen! Ich. Bin. Endlich. Da.“ Bella schubste ihren Koffer in den Flur, pustete sich die verschwitzten Haare aus dem Gesicht und grinste von einem Ohr zum anderen. Ihr neues Leben begann genau jetzt.
Vom ersten Augenblick an hatte sie diese Hausfassade geliebt. Orange. „Schon immer meine Lieblingsfarbe“, flüsterte sie sich zu. „Meine Glücksbringerfarbe. Und dann noch die roten Türen.“
Als Erstes würde sie Pflanzen für den Balkon kaufen. Viel Grün sollte es sein: Drachenpalmen, Papyrus, Oleander. Avocadobäume würden sie aus den Kernen selbst ziehen. Einen kleinen runden Metalltissch würde sie sich vom Trödel besorgen. Vielleicht auch einen mit Mosaiksteinchen in grün und blau. Zwei Stühle. Eine Lichterkette. Jeden Abend würde sie hier sitzen, die Stille genießen und schreiben.
Bella fummelte die Zigarettenpackung aus ihrem Rucksack und das Tütchen mit Gras. Sie hatte gerade angefangen einen Joint zu drehen, als ohrenbetäubende Musik den Hinterhof überflutete. Bella, in einem elitär angehauchten Bildungsbürgerhaushalt mit gern zur Schaugestellter Musikattitüde aufgewachsen, erkannte das Cantabile aus „Nabucco“ sofort. Die Baritone des Gefangenenchors hatten ihre Kindheit und Jugend bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit begleitet. Ihr Vater hatte ihr und den Brüdern die Todesarie mit ihren kreisenden Celli-Melodien immer dann lautstark vorgespielt, wenn die Kinder in seinen Augen Mist gebaut hatten. Bellas Mutter hatte teilnahmslos in der Küche gestanden und ihnen den Rücken zugedreht.
Die Lieblosigkeit der Mutter, die Härte des Vaters, der Konkurrenzkampf mit den Geschwistern – Gründe genug für Bella, das Elternhaus einen Tag nach dem Abitur zu verlassen. Und nun war sie an diesem Ort, der ihre Zuflucht sein sollte. Gefangen in den Opern ihrer Vergangenheit.
Foto: Denise Jaouadi/Unsplash (bearbeitet von KS)
(nach einer Idee von Christine Kämmer / Adventskalenderschreiben)
„Endlich angekommen! Ich. Bin. Endlich. Da.“ Bella schubste ihren Koffer in den Flur, pustete sich die verschwitzten Haare aus dem Gesicht und grinste von einem Ohr zum anderen. Ihr neues Leben begann genau jetzt.
Vom ersten Augenblick an hatte sie diese Hausfassade geliebt. Orange. „Schon immer meine Lieblingsfarbe“, flüsterte sie sich zu. „Meine Glücksbringerfarbe. Und dann noch die roten Türen.“
Als Erstes würde sie Pflanzen für den Balkon kaufen. Viel Grün sollte es sein: Drachenpalmen, Papyrus, Oleander. Avocadobäume würden sie aus den Kernen selbst ziehen. Einen kleinen runden Metalltissch würde sie sich vom Trödel besorgen. Vielleicht auch einen mit Mosaiksteinchen in grün und blau. Zwei Stühle. Eine Lichterkette. Jeden Abend würde sie hier sitzen, die Stille genießen und schreiben.
Bella fummelte die Zigarettenpackung aus ihrem Rucksack und das Tütchen mit Gras. Sie hatte gerade angefangen einen Joint zu drehen, als ohrenbetäubende Musik den Hinterhof überflutete. Bella, in einem elitär angehauchten Bildungsbürgerhaushalt mit gern zur Schaugestellter Musikattitüde aufgewachsen, erkannte das Cantabile aus „Nabucco“ sofort. Die Baritone des Gefangenenchors hatten ihre Kindheit und Jugend bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit begleitet. Ihr Vater hatte ihr und den Brüdern die Todesarie mit ihren kreisenden Celli-Melodien immer dann lautstark vorgespielt, wenn die Kinder in seinen Augen Mist gebaut hatten. Bellas Mutter hatte teilnahmslos in der Küche gestanden und ihnen den Rücken zugedreht.
Die Lieblosigkeit der Mutter, die Härte des Vaters, der Konkurrenzkampf mit den Geschwistern – Gründe genug für Bella, das Elternhaus einen Tag nach dem Abitur zu verlassen. Und nun war sie an diesem Ort, der ihre Zuflucht sein sollte. Gefangen in den Opern ihrer Vergangenheit.
Foto: Denise Jaouadi/Unsplash (bearbeitet von KS)
(nach einer Idee von Christine Kämmer / Adventskalenderschreiben)