Leben und stehen lassen

Gestern ist mir hier direkt vor der Haustür eine Laus in Gestalt eines Rohrreinigers über die Leber gelaufen. Er ist mit seinem Handwerker-Bully direkt hinter mir hier in die Straße gefahren und wollte wohl genau da parken, wo ich mein Auto hingestellt habe. Direkt vor die Tür, wo man gar nicht parken darf.

strasse

Aber erstens war überall Halteverbot wegen Baumarbeiten, und zweitens hatte ich den Warnblinker an, weil ich nur kurz meine Sporttasche raufbringen wollte, um dann direkt zur Tanke und in die Garage zu fahren.

Ich war also mit meiner Tasche schon auf dem Weg zur Haustür, da hupt es. Ich dreh mich um, seh‘ sein Auto neben meinem, winke ab, geh weiter, da hupt es wieder, zwei Mal. So. Ich umgedreht, er parkte inzwischen vor meinem Auto im Halteverbot.

Ich sach: „Meinen Sie eigentlich mich mit Ihrem Gehupe???“ Er steigt aus und fängt auf der Stelle an, mich zu belehren, dass mein Auto in einer Feuerwehreinfahrt stehen würde. Ich: „Ja, aber ich brauch ja nur eine Minute und der Warnblinker ist an.“ Und dann fing er auch schon an, mir mit Polizei zu drohen. Das wäre Missbrauch einer Feuerwehreinfahrt. Ob ich das verantworten wolle, wenn es jetzt irgendwo brennt? Und es wäre obendrein noch Missbrauch der Warnblinkanlage. Ob ich eigentlich keine Verkehrsregeln kennen würde?

Und als wüsste ich es nicht besser, hab ich mich soooo darüber aufgeregt, hab ihm gesagt er könne mich mal und er solle doch die Polizei rufen, wenn er das möchte. Ich also hoch, Tasche abgestellt, wieder runter, zur Tanke, in die Garage und zu Fuß wieder nach Hause. Da sehe ich, dass er inzwischen genau da steht, wo ich vorher gestanden hatte. In der Einfahrt. Komplett jenseits von Parkflächenbegrenzungen, also den weißen Linien.

Da bin ich dann nach oben und hab die Telefonnummer angerufen, die dick und fett auf seinem Wagen steht. Ich fand, dass sein Arbeitgeber ruhig wissen darf, wie der sich so in freier Wildbahn verhält. Ich also ganz freundlich (wirklich!) der Dame am anderen Ende meinen Namen gesagt und worum es geht und sie gebeten, meine Beschwerde an ihren Kollegen weiterzuleiten und damit dafür zu sorgen, dass er sich künftig beim Parken an die Verkehrsregeln hält.

Da fängt die doch an, mir zu erzählen, dass der Kollege ja im Auto den Rohrfrei-Spüler hat und deswegen die Einfahrt zuparken MUSS. Und „wir können die Verstopfung ja auch so lassen, wenn Ihnen das lieber ist. Sie scheinen ja Zeit zu haben, wenn Sie wegen so was hier anrufen. u.s.w.“ Die wurde total pampig. Das hat mich so auf die Palme katapultiert, dass ich leider gar nicht cool geblieben bin. Und ich ihr meinerseits mit dem Abschleppwagen gedroht habe.

Als ich noch gesagt habe, dass eigentlich alles, was ich möchte, ist, nicht noch einmal von so einem Idioten wie dem, der hier gerade am Werk ist, angehupt und angemacht zu werden.

Da sagt sie, eigentlich kreischt sie mehr: „Der Idiot ist mein Mann. Und wenn Sie das noch mal sagen, dann zeige ich Sie an wegen Verleumdung! Ich hab hier einen Zeugen.“

Da musste ich dann doch kurz grinsen. Und hab das Gespräch dann beendet mit den Worten: „Machen Sie das viel Vergnügen und Erfolg dabei!“

Das war aber noch nicht das Ende. Denn offenbar hat die sofort ihren angeheirateten Idioten angerufen, der mit dem Hausmeister zusammenstand. Der wiederum hat klargestellt, dass es sich um keine Feuerwehreinfahrt handelt. Und so rief mich die Trulla doch echt noch mal an, um mir zu sagen: „Rufen Sie ruhig den Abschleppdienst. Da sind Sie dann aber die Doofe.“

Mann, Mann, Mann! … Eine schlimm lächerliche Geschichte eigentlich, die mich aber leider echt nachhaltig hochgebracht hat, obwohl die Quintessenz natürlich die ist: Rache ist was für Fantasien, im richtigen Leben sollte man doch lieber die Finger davon lassen. Ist uncool!

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